Die Hummel

(Henrik Lode)

„Dichtungsring. Zeitschrift für Literatur“ (Ausgabe 39)

Eine Hummel auf dem Steg. Der Schwimmer in spe überschreitet die Planken, betritt das Insekt und wird gestochen. Verärgert versenkt er den Fuß im See und sinnt auf Rache.

Genügsamkeit

(Henrik Lode)

Anthologie „Alltag im Wort“

Der Gast bestellt zwei Pizzen außer Haus: Hawaii für sich und Funghi für die hungrige Freundin daheim. Dann setzt er sich an einen Tisch und beobachtet den Bäcker bei der Zubereitung. Nicht lange, und dessen Geselle kann die fertigen Pizzen in den Ofen schieben.

Die nächste Bestellung erfolgt, Calzone und Peperoni wandern in die Backröhre. Der Geselle verschwindet mit schmutzigem Geschirr in der Küche, der Chef schneidet Gemüse für die Auslage.

Auf und Ab

„Unterwegs. Anthologie des Netzkritzler Schreibwettbewerbs“

Jana steigt im Erdgeschoss in den Fahrstuhl. Sie ist eine Hauptperson dieser Geschichte. Daumen auf die 20, 2 Schritt zurück, warten. Derweil steht Alfred in der Tiefgarage vor einem Getränkeautomaten. Auch er ist hier Protagonist.

Während die Türen sich vor Jana schließen, steckt Nebendarsteller Gregor seinen Generalschlüssel ins Schloss und dreht ihn nach links. Janas Halteanweisung wird gelöscht, Fahrtunterbrechung in Etage 3, Gregor steigt zu, verlässt den Aufzug wieder im Sechsten. Dass ihr Zielbefehl verloren ging, bemerkt Jana erst auf dem Weg ins Untergeschoss.

Der Schatten eines einsamen Baumes

(Henrik Lode)

Anthologie: „3. Bubenreuther Literaturwettbewerb 2017“

Langsam öffnet der Festivalbesucher die Augen, dreht sich, hustet, schläft wieder ein. Minuten darauf das Gleiche von vorn – Erwachen, Drehen, Abdriften. Es dauert seine Zeit, bis die Trance vergeht – mühsam umwinden sich Schläfer und Schlafsack.

Als die Sonne den Waldrand übersteigt, strömt Hitze ins Zelt. Der Erwachte kriecht samt Bettstatt nach draußen, legt sich zurück in den Schatten. Kühlende Erde, ein leichter Wind, die Bühnen in der Mittagspause. Nur die Verdauung bleibt in Gang.

Der Ausflug

(Henrik Lode)

Schweriner Literaturtage: „Unterwegs. Die Anthologie des Okapi Schreibwettbewerbs.“

Zwei Zivis, einander unbekannt: Max, Median-Klinik Moabit, und Robert, Altenheim Fischerkrug. Dazu zwei Rollstühle: Frau Schneider, linkes Knie; Frau Pastillé, rechte Hemisphäre. Aufeinandertreffen am Holsteiner Ufer Ecke Kirchstraße.

„Tag auch“, sagt Max.
„Tag“, sagt Robert.
Frau Schneider lächelt; Frau Pastillé betrachtet ihre Hände.
„Auch Zivi?“
Robert nickt. „Und, wie läuft’s?“
„Könnte schneller laufen“.